1.156-PS-Cayenne fährt unter dem größten Flugzeug der Welt

Porsche Cayenne Turbo Electric unter dem Stratolaunch Roc beim Sonnenuntergang

Ein 1.156-PS-Elektro-SUV fährt unter dem größten Flugzeug der Welt, während dieses abhebt: Porsche und Stratolaunch haben am Mojave Air and Space Port einen Stunt umgesetzt, bei dem es weniger um ein Rennen als um Zentimeterarbeit bei über 250 km/h ging.

Porsche Cayenne Turbo Electric unter dem Stratolaunch Roc beim Sonnenuntergang
Der Cayenne musste in einer berechneten ruhigen Luftzone zwischen Fahrwerk und Heck des Roc bleiben. Bild: Porsche

Kein Rennen gegen das Flugzeug

Ein Auto gegen ein Flugzeug antreten zu lassen, ist ein alter PR-Klassiker. Porsche wählte diesmal aber die schwierigere Variante: Der Cayenne Turbo Electric sollte nicht neben dem Stratolaunch Roc beschleunigen, sondern direkt unter ihm bleiben – beim Start und später auch bei der Landung.

Das Ziel war nicht, zuerst am Ende der Piste zu sein. Fahrer Patrick Long musste Geschwindigkeit und Beschleunigung des Flugzeugs exakt treffen und den SUV in einem sehr kleinen Bereich hinter dem Hauptfahrwerk halten. Zu weit vorne wäre das Fahrwerk gefährlich geworden, zu weit hinten warteten Jetstrahl und massive Turbulenzen.

Roc: das breiteste Flugzeug der Welt

Der Stratolaunch Roc gilt mit einer Spannweite von 385 Fuß beziehungsweise rund 117,3 Metern als größtes Flugzeug der Welt nach Spannweite. Seine beiden Rümpfe, sechs Triebwerke und das riesige Mittelstück wurden als fliegende Startplattform für Raumfahrzeuge und Hyperschalltests entwickelt.

Die Triebwerke erzeugen gemeinsam 340.500 lbf Schub, umgerechnet etwa 1.515 kN. Das maximale Startgewicht liegt bei 1,3 Millionen Pfund oder rund 590 Tonnen. Die Startgeschwindigkeit beträgt mehr als 160 mph, also über 257 km/h.

Stratolaunch-Ingenieure hatten in Strömungsberechnungen eine vergleichsweise ruhige „Blase“ entdeckt: direkt hinter der Hinterkante des Fahrwerks, aber noch vor dem Heck. Diese Zone bewegt sich beim Beschleunigen mit dem Flugzeug. Ein ausreichend schnelles und stabiles Auto könnte theoretisch darin mitfahren. Der Cayenne sollte beweisen, dass die Rechnung stimmt.

Porsche Cayenne Turbo Electric neben dem Fahrwerk des Stratolaunch Roc
Sechs Triebwerke, rund 117 Meter Spannweite und ein Cayenne unmittelbar hinter dem Hauptfahrwerk. Bild: Porsche

Warum ausgerechnet der Cayenne Turbo Electric?

Der elektrische Top-Cayenne bringt unter Launch Control bis zu 850 kW beziehungsweise 1.139 US-hp. Das entspricht ungefähr 1.156 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 1.106 lb-ft oder rund 1.499 Nm.

Porsche nennt für das Serienmodell 2,4 Sekunden von null auf 60 mph, 9,9 Sekunden für die Viertelmeile und 162 mph beziehungsweise rund 261 km/h Höchstgeschwindigkeit. Jalopnik verweist zusätzlich auf einen noch schnelleren instrumentierten Car-and-Driver-Test mit 2,1 Sekunden auf 60 mph und 9,5 Sekunden über die Viertelmeile. Solche Messungen hängen von Fahrzeug, Untergrund, Ladezustand und Testmethode ab; die konservativere offizielle Werksangabe bleibt daher der sauberere Referenzwert.

Entscheidend waren beim Stunt aber nicht nur Leistung und elektrischer Allradantrieb. Aktive Aerodynamik und das verfügbare Porsche Active Ride halten den schweren SUV bei hohem Tempo ruhig. Für das Abbremsen am Ende der Piste war das Versuchsfahrzeug mit der optionalen Porsche Ceramic Composite Brake ausgerüstet.

Patrick Long musste anfangs sogar langsam machen

Der frühere Porsche-Werksfahrer Patrick Long startete mit voll geladener Batterie. Zunächst verwendete er laut eigener Aussage nur minimale Leistung. Der Cayenne durfte den noch rollenden Roc keinesfalls überholen.

Erst als alle sechs Triebwerke Schub aufbauten und beide Fahrzeuge über 100 mph kamen, aktivierte Long den Boost. Der Porsche blieb dicht am Fahrwerk, während der Roc abhob. In diesem Moment zeigten die nach unten gerichteten Triebwerke auf den SUV, und die Turbulenzen waren deutlich zu spüren. Long beschrieb den Cayenne trotzdem als stabil.

Auf dem Display habe er kurz „nördlich von 170 mph“ gesehen – also mehr als 274 km/h. Das ist höher als die offizielle Serien-Höchstgeschwindigkeit. Weil Porsche ein Prototypenfahrzeug einsetzte und Long lediglich einen flüchtigen Tachowert nennt, ist diese Zahl nicht als bestätigte reale Höchstgeschwindigkeit oder neue Werksfreigabe zu verstehen.

Stratolaunch Roc hebt über einem Porsche Cayenne Turbo Electric ab
Beim Abheben blieb der Cayenne noch kurz unter dem Mittelteil des Flugzeugs. Bild: Porsche

Danach kam Roc zur Landung zurück

Nach dem erfolgreichen Startversuch wurde die Übung umgedreht. Long beschleunigte auf den landenden Roc zu und fädelte den Cayenne erneut in die berechnete Position hinter dem Fahrwerk ein. Porsche vergleicht das Prinzip mit den schnellen Begleitfahrzeugen, die bei Landungen der schwer einsehbaren Lockheed U-2 eingesetzt werden – nur besitzt Roc ungefähr die dreifache Spannweite.

Insgesamt absolvierte der Cayenne Turbo Electric nach offiziellen Angaben zwei Starts und zwei Landungen unter dem Flugzeug. Neben Long fuhren bei späteren Durchgängen unter anderem Porsche-Design-Markenbotschafter Orlando Bloom, der Autojournalist Mat Watson sowie Stratolaunch-Mitarbeiter mit.

Stratolaunch Roc landet mit Porsche Cayenne Turbo Electric unter dem Flügel
Auch bei der Landung traf Patrick Long die wandernde Position hinter dem Fahrwerk. Bild: Porsche

Beeindruckende Technik, aber natürlich ein PR-Stunt

Für Käufer beweist die Aktion nicht, dass man im Alltag unter Flugzeugen durchfahren sollte – selbstverständlich sollte man das niemals versuchen. Sie zeigt aber recht anschaulich, wie präzise ein über 1.100 PS starker Elektro-SUV seine Leistung dosieren kann und wie stabil Fahrwerk und Aerodynamik bei sehr hohem Tempo arbeiten.

Der 113-kWh-Akku und die 800-Volt-Architektur spielten bei der kurzen Vollgaspassage nur eine Nebenrolle. Im normalen Betrieb kann der Cayenne unter idealen Bedingungen mit bis zu 400 kW laden und soll von zehn auf 80 Prozent in weniger als 16 Minuten kommen. Für 4-wheel.at interessanter: Trotz Supersportwagen-Beschleunigung bleibt er ein großer Allrad-SUV, der entsprechend ausgerüstet bis zu 3,5 Tonnen ziehen darf.

Vernünftig war die Aktion nicht. Cool anzusehen ist sie trotzdem.

Video: Cayenne unter dem größten Flugzeug der Welt

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Quellen

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